aspis.at

TSCHETSCHENINNEN IN ÖSTERREICH*

Eines der erfolgreichsten ehrenamtlichen Integrationsprojekte Österreichs startet mit 1. Jänner
2011 ins neunte Jahr. „TschetschenInnen bei Aspis“, „Integration von TschetschenInnen“
oder zuletzt „TschetschenInnen-Menschen wie wir“ dahinter stand und steht hochqualifizierte
Integrationstätigkeit in den Bereichen Sport, Bildung, Arbeit und vielen anderen wichtigen
Fragen im Alltag. Kulturspezifische psychologische Betreuung und Beratung ist für mich der
Königsweg zur erfolgreichen Integrationsarbeit. Von unseren Maßnahmen haben in den
letzten Jahren aber nicht nur hunderte Tschetschenen und Tschetscheninnen profitieren
können, sondern natürlich auch Asylwerber, Flüchtlinge und Migranten zahlreicher anderer
Nationen.

Dieses Flüchtlingsprojekt dient einerseits dazu, Konventionsflüchtlinge,
Aufenthaltsberechtigte und AsylwerberInnen in wichtigen Integrationsfragen zu beraten und
zu betreuen (siehe weiter unten), sowie andererseits auf die Situation in Tschetschenien und
zur Lage von TschetschenInnen in Österreich aufmerksam zu machen. Tschetscheninnen und
Tschetschenen setzen es sich zum Ziel Kontakte zu der heimischen Bevölkerung zu
intensivieren und einen Kulturaustausch in Gang zu bringen.

„TschetschenInnen in Österreich“ ist ein ehrenamtliches Projekt das ohne Finanzierung
auskommen muss. Wir wollen auch Zeichen gegen die „staatlich verordnete“ Mitleidlosigkeit
und gegen die moralische Verwahrlosung in der Flüchtlingspolitik setzen.
Seit 1994 ist die kleine Kaukasusrepublik Tschetschenien von Krieg und Gewalt beherrscht.
Zwei Kriege haben das Land in die Steinzeit zurückgebombt. Das Tschetschenien der
Gegenwart darf als Folterdiktatur bezeichnet werden, indem nicht nachlassende schwere
Menschenrechtsverletzungen, wie willkürliche Hinrichtungen, verübt werden. Die Kriege
haben mehr als 250.000 Menschen das Leben gekostet, zahlreiche Intellektuelle sprechen
völlig zu Recht von einem Völkermord an den TschetschenInnen.

Seit vielen Jahren leben tschetschenische Flüchtlingsfamilien, denen die Flucht aus dem
Nordkaukasus gelang, auch bei uns in Österreich. Das Wissen der Bevölkerung über
tschetschenische Menschen ist sehr gering, in den letzten Jahren hat es
Pauschalverurteilungen aller in Kärnten lebenden TschetschenInnen („Tschetschenenfreies
Kärnten“) gegeben. Unschuldige tschetschenische Flüchtlingsfamilien wurden mit falschen
Anschuldigungen („gewalttätige Tschetschenen“) aus Kärnten weggeschafft. Vulgärtheorien
aus Russland („Banditen und Terroristen“) wurden von leichtgläubigen österreichischen
Politikern und Journalisten aufgenommen und in leicht veränderter Form wiedergegeben. Die
„Tschetschenisierung“ des Konfliktes hat auch die „Community“ in Österreich erschüttert.
Die Zusammenarbeit zwischen österreichischen Behörden und dem russischen
Inlandsgeheimdienst FSB sorgt für tiefe Verunsicherung und Misstrauen. Die Abschiebungen
von Tschetschenen die mit Folter und Tod in der Heimat endeten, sorgen für große Angst
unter vielen tschetschenischen Flüchtlingsfamilien.

Ziel des Projektes „TschetschenInnen in Österreich“ ist es auch vorhandene Vorurteile in der
Bevölkerung abzubauen und durch umfassende Information die Angst vor dem „Fremden“ zu
nehmen. Begegnungsbühnen zwischen TschetschenInnen und ÖsterreicherInnen werden
geschaffen.
Auch im Jahr 2011 wird es in Kärnten (aber auch in anderen Bundesländern) Veranstaltungen
zum Thema Tschetschenien, Flucht und Asyl geben:

Fußballturniere und Fußballfeste mit dem „FC Tschetschenien“, „Marsho“ und
Kärntner Hobbyteams
Vorträge zum Thema Tschetschenien (Überblick über die Geschichte und die
tschetschenische Kultur, Krieg und Völkermord)
Informations- und Diskussionsveranstaltungen zum „Feindbild Tschetschenen“
(Sündenbock Asylwerber) und der Situation von AsylwerberInnen
Integrationsveranstaltungen im Rahmen von Kulturfesten
Workshops zu den Themen Tschetschenien und Krieg; Tschetschenische Kultur,
Feindbild Tschetschenen, Trauma und Tschetschenien
Filmvorführungen („FC Chechnya“, „Ausquartiert“, „Kein Ort“ u.v.a.)
Schaschlik (tschetschenische Grillveranstaltungen), Begegnungen mit der
Gastfreundschaft der Tschetschenen

Dieses Angebot richtet sich insbesondere an Schulen (Diskussions- und
Informationsveranstaltungen für SchülerInnen/ Workshops für Lehrkräfte) und Gemeinden in
Kärnten und an Menschen die in der Flüchtlingsbetreuung tätig sind (wie etwa:
KindergartenpädagogInnen, SozialarbeiterInnen, TherapeutInnen, JuristInnen,
DolmetscherInnen, usw.) und natürlich auch an BeraterInnen die an der Situation und
Herkunft von TschetschenInnen Interesse haben.

Geleitet wird dieses ASPIS-Projekt von Mag. Siegfried Stupnig, Vize-Präsident der
Europäisch-Tschetschenischen Gesellschaft www.eu-tg.org Ehrenpräsident der Vereinigung
demokratischer Tschetschenen Österreichs, Mitarbeit bei LSB (Betreuung von
tschetschenischen Familien) und Neustart (Betreuung tschetschenischer Jugendlicher).
Tschetscheninnen und Tschetschenen aus ganz Österreich beteiligen sich, ebenfalls
ehrenamtlich, bei diesen wichtigen Integrationsmaßnahmen. Kooperationspartner sind das
Gesellschaftspolitische Referat und das Bildungspolitische Referat der ÖH Klagenfurt.
*Ein ehrenamtliche Flüchtlingsinitiative (seit 2003)

Maßnahmen im Rahmen des Integrationsprojektes:
Familienbetreuung
Betreuung von Jugendlichen TschetschenInnen
Begleitung in Bildungsfragen
Kulturspezifische psychologische Beratung und Betreuung
Unterstützung beim Asylverfahren
Hilfestellung bei der Wohnungssuche
Hilfestellung bei der Arbeitssuche
Begleitung von Tschetschenen bei verschiedensten Behördenwegen
Beratung in besonders kritischen Lebensphasen
Beratung in Fragen der Erlangung der Staatsbürgerschaft
Hilfe bei der Nostrifikation von Qualifikationen
Bücherflohmärkte zur Finanzierung von Ausgaben für tschetschenische Menschen u.v.a.m.

Zusammenfassend ist „TschetschenInnen in Österreich“ a) ein Öffentlichkeitsprojekt
zum Thema Flüchtlinge aus dem Nordkaukasus und b) ein Integrationsprojekt für
Konventionsflüchtlinge aus allen Ländern.